Bildungslücke beim Stichwort Saxophon?

Die können Sie jetzt schnell schließen.

Erfahren Sie hier: Was es ist. Wer es spielt. Wie es klingt.

Vielleicht geht´s Ihnen wie mir: Ich besaß nicht die geringste Vorstellung von der Faszination des Saxophons (in meinem Fall 40 Jahre lang). Bis ich mir eines angeschafft habe. Es war einfach die Offenbarung! Wenn Sie sich bisher noch gar nicht für das Saxophon interessiert haben - dann sind Sie hier genau richtig. Ich versuche, Ihnen das Saxophon aus ganz unterschiedlichen und vielleicht auch überraschenden Blickrichtungen vorzustellen:


Weshalb ist das Saxophon ein Holzblasinstrument?

Das Saxophon besteht fast vollständig aus Metall. Bis auf eine winzige Ausnahme, die auf den ersten Blick gar nicht ins Auge fällt: das so genannte Blatt. Und das sieht man auch nur, wenn die Schutzkappe vom Mundstück abgezogen ist. Dieses Rohrblatt wird (nicht immer, aber traditionell) aus einem holzartigen Gewächs gefertigt. Es übernimmt in Kombination mit dem MundstückTenor-Saxophon die Aufgabe eines Tongebers, indem man es in Schwingung versetzt. Man nnte es - vereinfacht gesagt - mit einem Grashalm vergleichen, den man zwischen den Daumen hält, um darauf zu pfeifen. So, wie man die Tonhöhe des quäkenden Grashalmes durch Veränderung der Handflächen verändern kann, so lässt sich der Ton des Saxophonblattes durch Öffnen und Schließen der Klappen am Saxophon in der Tonhöhe verändern. Dabei wird die im Saxophonkörper stehende Welle verkürzt oder verlängert - der Ton erklingt dunkel, wenn alle Klappen geschlossen sind, und wird immer heller, je mehr Klappen in Richtung Mundstück geöffnet werden.

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Warum heißt das Saxophon „Saxophon“?

Angenommen, Sie hießen Schmidt und erfänden ein neues Blasinstrument: Dann dürften Sie es mit Fug und Recht „Schmidtophon“ nennen. Womit die Frage beantwortet ist: Das Saxophon verdankt seine Bezeichnung seinem Namensgeber Adolphe Sax (1814-1894). Er stammte aus der belgischen Stadt Dinant, spielte virtuos Klarinette und arbeiteteSopran-Saxophon als Instrumentenbauer. Er erfand 1842 zunächst das Sopran-Saxophon und wenig später sieben weitere Baugrößen (Sopranino, Sopran, Alt, Tenor, Bariton, Bass, Kontrabass, Subkontrabass). Das Sopran-Saxophon sieht im Prinzip aus wie eine Klarinette aus Metall. Und wenn man sich vorstellt, dass man ein Tenor-Saxophon geradebiegt, erhält man übergroßes Sopran-Saxophon. Dennoch ist das Saxophon mehr als eine umgebaute Karinette, die ja einen zylindrisch gleichmäßig gebohrten Innenraum besitzt: Die Bohrung des Saxophons entspricht dagegen der einer Oboe. Sie ist kegelförmig. Sax hat also erstens von zwei Holzblasinstrumenten das Beste zusammgeführt - das Mundstück mit einfachem Rohrblatt von der Klarinette und die konische Bohrung von der Oboe. Andererseits hat er das Material Holz gegen Metall ausgetauscht. Vor allem: Er hat das Saxophon mit ph "Saxophon" genannt und nicht, wie der Duden meint, "Saxofon". Und dabei soll es bleiben - jedenfalls auf dieser Website.

 

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Zu welchem Zweck wurde das Saxophon erfunden?

Zur Zeit des Adolphe Sax gab es weder Mikrophone oder  Tonabnehmer noch Verstärkeranlagen. Man spielte sozusagen ständig „unplugged“, also ohne Stromstöpsel, so dass es für Klarinettisten schwer war, sich im  Konzertsaal und bei Freiluftkonzerten gegen andere Instrumente durchzusetzen. Vor allem bei den tieferen Tönen waren Klarinetten zu wenig tragfähig. Eine Trompete ist beispielsweise deutlich lauter als eine Klarinette - und mehrere Streicher können im Zusammenspiel auch einen ganz schönen Schalldruck erzeugen. In der Welt der klassischen Orchestermusik stieß Sax mit seinem Saxophon allerdings nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Adolph Sax bemühte sich vergeblich, das Saxophon in Sinfonieorchestern unterzubringen. Aber Sax glaubte an seine Erfindung und veranstaltete sogar Wettkampfkonzerte, in denen er Militätkapellen ohne und mit Saxophonen gegeneinander antreten ließ. Dabei konnte er die Zuhörer stets überzeugen.

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Wie wurde das Saxophon zum Militärmusikinstrument?

Adolphe Sax hat das Saxophon in den Stimmungen C und F für Sinfonieorchester und in den Stimmungen Eb und Bb für Militärorchester entwickelt. In der Klassik konnte er sich nicht durchsetzen - Saxophone in den Stimmungen C und F werden heute so gut wie nicht mehr produziert. Immerhin fand Sax ab 1854 im französischen Militär einen dankbaren Abnehmer für sein Instrument, den er als exklusiver Hersteller beliefern durfte. Das wetterfeste und stimmstabile Saxophon war wie geschaffen für Militärkapellen und sorgte für großen wirtschaftlichen Erfolg beim Hersteller Sax. Das Umsatzhoch fand allerdings sein jähes Ende mit Ausgang des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Den gewannen nämlich ausnahmsweise einmal die Deutschen (des Norddeutschen Bundes). Für Militärkapellen der unterlegenen Franzosen bedeutete dies das vorläufige Aus - und ebenfalls für das Saxophon. Sax verbrachte seinen Lebensabend in Armut.

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Wie wurde das Saxophon zum Sinnbild des Jazz?

Die Wahrscheinlichkeit, dass auf einer „Best-of-Jazz“-CD ein Saxophonist oder ein Saxophon abgebildet ist, ist groß. Dazu müssen auf der CD nicht einmal Stücke von Saxophonisten zu hören sein. Die Silhouhette eines Saxophons genügt offenbar, um den Inhalt „enthält Jazz“ zu transportieren. Wie kam es dazu, dass das Saxophon so eindeutig die Botschaft „Jazz“ rüberbringt, dass der Jazz "saxophonisiert" ist, wie es bei Wikipedia zu lesen ist? Es liegt zunächst daran, dass das Saxophon ein im Jazz sehr beliebtes Instrument ist. Daran, das dem so ist, war der US-amerikanische Saxophonist Coleman Hawkins (1904 - 1969) entscheidend mitbeteiligt. Er, der auch
„Hawk“ oder „Bean“ genannt wurde, wird deshalb auch der „Vater des (Tenor-)Saxophons“ genannt. Als er mit neun Jahren zunächst ein C-Melody-Saxophon (stimmlich zwischen Alt und Tenor) geschenkt bekam, konnte er bereits Klavier und Cello spielen. Schon 1924, also mit zwanzig Jahren, spielte er als Solist mit dem berühmten Trompeter Louis Armstrong öffentlich um die Wette. Seine herausragenden saxophonistischen Fähigkeiten sprachen sich herum bis nach Europa, wo er von 1934 bis 1939 lebte und auftrat. 1939 kehrte er dann in die USA zurück. Dort waren in der Zwischenzeit weitere Weltklasse-Saxophonisten bekannt geworden, unter anderen Chu Berry, Ben Webster und Lester Young. Mit seiner solistischen Interpretation des Liedes „Body and Soul“, das bereits ein bekanntes Standardlied war und das er auf Schallplatte pressen ließ, gelang ihm ein großartiges Comeback. Die Art und Weise, wie er die Melodie dieser Ballade umspielte und ausarbeitete, schlug große Wellen in der Jazzwelt, nicht nur bei Saxophonisten. „Body und Soul“ machte Coleman Hawkins unsterblich und förderte den Siegeszug des Saxophon. Es ist auch heute noch, über siebzig Jahre später, Lehrstück und Herausforderung für jeden Saxophonisten. Und es dürfte kaum einen Saxophonvirtuosen im Jazz geben, der Coleman Hawkins´ „Body and Soul“ nicht analysiert oder wenigstens einmal nachzuspielen versucht hätte.

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Warum spielt das Saxophon in der Klassik kaum eine Rolle?

Dafür gibt es viele Gründe. Fest steht, dass kritische Stimmen die Verbreitung des Saxophons in der Klassischen Musik offenbar nicht gefördert haben: „Der klangliche Charakter des Saxophons ist voll und ganz der einer heillos verlogenen Seele ( ... ) Das moralisierende, in Momenten der Sehnsucht nach metaphysischen Valeurs in saccharinsüßen, vom Unterton prinzipieller Entrüstung grundierten Lyrismen sich Ausheulende, das Geblök sKlassik-Saxophon: www.verenarichter.de - Foto: Konrad Ferstereritzengebliebener und mithin der Ehereform ergebener Jungfrauen, das Genörgel näselnder prayer-man . . .vermag das Saxophon mit einer für Hellhörige geradezu ekelerregenden Naturtreue zu offenbaren. Erwarten wir . . .einen Fortschritt von jener Seite, die das Saxophon zur Expression ihres Charakters benützt, so vollzieht sich der Untergang des Abendlandes nicht so ehrenhaft , wie Oswald Spengler vermutet, ( ...)”* Glücklicherweise gibt es der Klassik zugewandte Saxophonisten und Saxophonistinnen, die das völlig anders sehen. Aber es ist immer noch so, dass vergleichsweise wenige Komponisten klassische Stücke für das Saxophon schreiben.

* Quelle: Arnold Weiß-Rüthel, Allgemeine Musikzeitung, Berlin, 29. April 1932, gekürzt zitiert nach Tobias Slany auf der Website der „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Saxophonisten“ (www.ardesa.de/?id=104)

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Wie lange kann ein Saxophonist einen Ton halten?

So lange etwa, wie er auch summen könnte. Oder so lange, bis keine Luft mehr in der Lunge zur Verfügung steht - was natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es gibt Saxophonisten, die - wie ein Didgeridoospieler - die Technik der Zirkularatmung beherrschen. Dabei pumpt man die Mundhöhle voller Luft, verschließt die Mundhöhle mit hinterer Zunge und Gaumensegel und leitet die eingefangene Luft  durch Zusammenziehen der Wangen ins Instrument. Währendessen atmet man schnell ganz normal über die Nase in die Lunge ein. Bevor die Mundhöhle leer ist, ist die Lunge wieder gefüllt, so dass man die Mundhöhle sozusagen nachladen kann. Das lässt sich theoretisch beliebig oft bis zur Erschöpfung der Lippenringmuskulator wiederholen. Im Ergebnis bleibt der Saxophonton dabei pausenlos stehen oder kann eine Tonfolge endlos lange gespielt werden. Ein Meister dieser Technik ist der deutsche Saxophonist Klaus Kreuzeder, der die Zirkularatmung als Stilmittel einsetzt. Ein spektakuläres Beispiel liefert auch Roger Hanschel mit einem dreieinhalbminütigen Solo auf Youtube (Suchwort im deutschen Youtube: „Roger Hanschel Solo Essen“).

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Wie täuscht das Saxophon unsere Ohren?

Die Antwort scheint die Antwort auf die vorhin gestellte Frage nach dem längsten Ton zu widerlegen, stimmt aber dennoch mit einem Schuss Haarspalterei: Eigentlich hat noch niemand ein
en länger als ein paar Sekundenbruchteile andauernden Ton Seitenansicht auf den geöffneten Spalteines  Saxophons gespielt bzw. gehört. Denn beim Saxophonton handelt es sich um einen gepulsten Ton, vergleichbar mit einem gesungenen Tatatatatatatatatat. Das a ist stimmhaft und klingt,  das t ist stimmlos, weil die Zungenspitze beim t den Luftstrom - und damit die Schwingung der Stimmbänder - unterbricht. Nichts anderes geschieht beim Saxophonton: Das Rohrblatt liegt nur auf dem hintereBlick auf die Mundstückspitze mit geöffnetem Spaltn Teil des Mundstückes auf. Da das Mundstück im vorderen Teil ein wenig angewinkelt abgeschliffen ist, entsteht zwischen Rohrblatt und Mundstück ein Spalt. Versetzt der Spieler das Rohrblatt nun in Schwingung, schließt und öffnet, schließt und öffnet sich der Spalt. In dem kurzen Moment, in dem er geschlossen ist, erklingt kein Ton. Da sich der Spalt jedoch blitzschnell wieder öffnet und sich dieser Ablauf in einer Sekunde sehr oft wiederholt, kann das Ohr die einzelnen Tonunterbrechungen nicht wahrnehmen. Es addiert die einzelnen Tonimpulse zu einem stehenden Ton. Dabei handelt es sich um das gleiche Prinzip wie beim Film. Zeigt man dem Auge eine Folge einzelner Bilder, nimmt es die Einzelbilder bei einer Frequenz ab ca. 15 pro Sekunde als fließende Bewegung wahr.

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Warum klingt dasselbe Saxophon bei jedem Spieler anders?

Wenn Sie zehn Pianisten an ein und dem demselben Klavier den Akkord C spielen lassen, wird die Klangfarbe des Tons immer die gleiche sein. Natürlich erkennt man unterschiedliche Pianisten an der Art ihres Spieles, der Auswahl der Töne, der Dynamik des Anschlags. Die
Tenor-Saxophonist mit schwarzem Kunststoff-MundstückKlangfarbe selbst wird jedoch im Wesentlichen durch die Qualität der Materialbeschaffenheit des Klavieres erzielt, also z. B. durch die Filzhämmerchen, die Saiten oder das Holz. Beim Saxophon kommt noch eine ganz individuelle, personenbezogene Einflussgröße hinzu. Das liegt daran, dass die anatomischen Verhältnisse bei jedem Menschen anders sind. Die Beschaffenheit von Lippen, Lippenringmuskulatur, Zähnen, Zunge, Mundraum, Atemweg, Kehlkopf, Brustkorb, Lunge und Zwerchfell tragen stets mit bei zur Tonformung. Der Luftstrom, der das Blatt in Schwingung versetzt, entsteht schließlich nicht am Mundstück, sondern in der Lunge des Spielers. Die Luftröhre gehört praktisch mit zum Schallkörper eines Saxophons dazu. Man könnte deshalb sagen, dass es sich beim Saxophon nur um eine halbe Sache handelt, die erst in Kombination mit dem Spieler zum vollständigen Instrument wird. Ein und derselbe Spieler kann seinen Sound übrigens bereits dadurch ändern, dass er statt des „klassischen“ den „modernen“ Ansatz wählt. Das heißt, er wölbt die Unterlippe nicht über die untere Zahnreihe in Richtung Zunge, sondern nach vorn in Richtung Saxophon. Der Sound ist augenblicklich ein völlig anderer.

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Wie verwandt ist das Saxophon mit der Trompete?

Das Saxophon ist ungefähr so nah verwandt mit der Trompete wie ein Klavier mit einer Gitarre. Gitarre und Klavier sind beide Saiteninstrumente. Die Spieltechniken der beiden Musikinstrumente unterscheiden sich aber ganz erheblich voneinander
. Saxophon und Trompete sind beide Blasinstrumente. Abgesehen davon, dass man in beide hineinbläst, die Atemtechnik also die gleiche ist, haben sie in spieltechnischer Hinsicht nur wenig miteinander gemeinsam. Der Tongenerator beim Saxophon ist ein schwingendes Rohrblatt - der Tonerzeuger bei einer Trompete wird dagegen von den schwingenden Lippen des Spielers selbst gebildet. Der Saxophonist nimmt einen Teil des Mundstücks in den Mund, der Trompeter drückt dagegen die Außenseiten seiner Lippen gegen ein metallisches Kesselmundstück. Bläst man auf dem Mundstück eines Saxophons (ohne Saxophonkörper) entsteht ein hoher, quäkender Ton, der ein wenig an eine Entenlockruf-Pfeife erinnert. Die Lippen des Trompeter bilden dagegen einen Ton, wie man ihn vom, pardon, liebe Trompeter, vom Furzen her kennt. Quäkton oder Furzton - beide Ausgangstöne lassen sich selbstverständlich bei Saxophon und Trompete gleichermaßen in wohlklingende Töne umwandeln. Das Saxophon wird in der Instrumentenkunde auch als Zungen-Aerophon bezeichnet - wobei mit „Zunge“ nicht die menschliche Zunge, sondern das Rohrblatt gemeint ist. Die Trompete zählt zu den Lippen-Aerophonen - wobei mit „Lippe“ die menschliche Lippe gemeint ist.
Erhebliche Unterschiede bestehen auch bei der Bedienung mit den Fingern. Die Trompete besitzt nur drei Tasten (so genannte „Ventile“), die sich mit drei Fingern bedienen lassen. Das Saxophon hat bis zu 23 Klappen, die sich mit etwa der gleichen Anzahl ganz unterschiedlicher Bedienelemente (Einzel- und Multifunktions-Tasten, Hebel) öffnen und schließen lassen. Dazu werden neun Finger benötigt (der Daumen der rechten Hand besitzt nur eine Haltefunktion). Saxophon und Trompete sind also schon zwei sehr verschiedene Instrumente. Eine einfache Tonleiter konnte ich auf dem Saxophon nach fünf Minuten spielen - bei der Trompete ist mir das auch nach zwei Wochen nicht gelungen ...

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Wer sind die größten Saxophonisten aller Zeiten?

In der Fachwelt besteht weitestgehend Übereinstimmung darüber, dass diese beiden Männer die wohl größten Saxophonisten aller Zeiten sein dürften: Charlie Parker (1929-1955) und John Coltrane (1926-1967). Sie haben, was ihren Bekanntheitsgrad, ihre stilbildende Kreativität, Produktivität und Virtuosität betrifft, die sichtbarsten Spuren hinterlassen. Bei Lester Young (1909-1959) und Coleman Hawkins (1904-1964) sind die Meinungen geteilt, wer von beiden den dritten bzw. vierten Platz einnimmt. Platz fünf dürfte einigermaßen unbestritten Sonny Rollins (1930) zustehen, der schon in jungen Jahren als Saxophongigant galt, erfreulicherweise noch lebt und auch auftritt. Er besitzt sicher das Potenzial, möglicherweise posthum auf einen der drei ersten Plätze aufzusteigen. Beim Versuch einer Bestimmung der größten zehn Saxophonisten gehen die Meinungen weit auseinander - zumal es eine ganze Reihe mehr gibt an Kandidaten, die einen Platz in der Top-10-Liste beanspruchen dürfen. „Cannonball“Adderley (1928-1975), Sidney Bechet (1897-1959), Michael Brecker (1949-2007), Don Byas (1912-1972), Eddie „Lockjaw“Davis (1921-1986), Jan Garbarek (1947), Dexter Gordon (1923-1990), Lucky Thompson (1924-2005), Bennie Wallace (1946) und Ben Webster (1909-1973) könnte man zumindest einmal nominieren. Dabei noch gar nicht berücksichtigt sind bedeutende Klassikvirtuosen, die aber nur noch einem sehr kleinen Publikum bekannt sein dürften, wie z. B. der Deutsche Sigurd M. Rascher (1907-2001) oder der Franzose Marcel Mule (1901-2001). Auch die Saxophonhelden, die überwiegend vor Coleman Hawkins aktiv waren, etwa der Frühjazzer Frankie Trumbauer (1901-1956), sind praktisch in Vergessenheit geraten. Ob die jungen Virtuosen, die es heute zumindest in spieltechnischer Hinsicht mit den alten Meistern sicher aufnehmen können, einmal in die Top-10 der Bestenliste gelangen können, bleibt abzuwarten. Noch gar nicht abschätzbar ist das Gewicht von Saxophonisten aus Staaten mit eigenen, für den Rest der Welt unlesbaren Schriftzeichen, etwa aus Skandinavien und dem asiatischen Raum. Helge Schneider wird sich dagegen definitiv weiter um Aufnahme in die Top-10-Liste der Komiker bemühen müssen - sein Saxophonspiel ist zwar ganz passabel, aber nur im humoristischen Sinne wegweisend. Für Max Greger - übrigens ebenfalls ein erstklassiger Saxophonist - steht die Top-10-Liste der erfolgreichsten Bandleader bereit.

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Gibt es Menschen, die das Saxophonspielen nie lernen?

Es soll ja Hochschulprofessoren geben, die keinen Nagel in die Wand schlagen können (eine These, die bezweifelt werden darf). Für das Saxophonspielen gilt: Wenn Sie Lesen und Schreiben gelernt haben, besitzen Sie gute intellektuelle Voraussetzungen, auch dies zu erlernen. Wenn Sie sich blind die Schuhe zubinden oder ein Auto mit Kupplung fahren können, dürften Sie motorisch auch dazu in der Lage sein, die Tasten eines Saxophons bedienen zu können. Wenn Sie einen Luftballon aufblasen können, reicht Ihr Lungenvolumen ziemlich sicher auch zum Saxophonspielen. Und wenn Sie in der Badewanne ein Lied trällern können, ohne verhaftet zu werden, können Sie´s ebenfalls packen. Sollten
Tenor-Saxophonist mit Metall-Mundstück Sie zu jenen Zeitgenossen gehören, die beim Singen „keinen Ton treffen“, geschweige denn „halten“ können, wird´s geringfügig schwieriger. Wie bei einer Geige kann es beim Saxophon passieren, dass man den Ton nicht exakt trifft und das Ganze dann ziemlich schief klingt. Die Töne leiern wie beim Leierkastenmann, der die Kurbel nicht ganz gleichmäßig dreht. Die Tasten des Saxophons helfen nämlich nur, einen bestimmten Frequenzbereich anzusteuern und den Ton ungefähr zu treffen. Die exakte Tonhöhe muss zusätzlich über den sogenannten „Ansatz“ (Lippenspannung, Stellung des Kehlkopfes, Luftstrom) justiert werden - und das bei jedem einzelnen Ton möglichst schnell. Kurzum, erquickliches Saxophonspielen setzt ein einigermaßen gutes Gehör und Tonständnis voraus. Wer das nicht besitzt, lernt vielleicht zunächst einmal Klavierspielen, damit er sich an korrekte Intervalle gewöhnt (wobei das moderne "temperierte" Klavier eigentlich ein verstimmtes Instrument ist, aber das ist ein anderes Thema ...). Er kann aber auch erst recht zum Saxophon greifen, weil es hervorragend dazu geeignet ist, ein gutes Gehör zu bilden. In diesem Fall ist die Hilfestellung eines Lehrers zu empfehlen. Und niemals vergessen: Saxophonspielen macht schnell extrem süchtig, weswegen sich die allermeisten Anfänger zum täglichen Üben nicht erst zwingen müssen.

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Warum schmecken Saxophonistenküsse immer frisch?

Saxophonisten, respektive Saxophonistinnen, achten im allgemeinen  besonders auf Mundhygiene (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Nach dem Spiel waschen sie das Rohrblatt und das Mundstück ab. Und in der Regel haben sie stets geputzte Zähne - vor allem
natürlich beim Spielen. Es soll sogar Saxophonisten geben, die bei Auftritten nur Wasser trinken und von den anderen Bandmitgliedern als nüchtern gebliebener Bandbusfahrer hoch geschätzt werden. Die Abneigung gegen andere Getränke als Wasser hat nichts mit Asketentum zu tun, sondern damit, dass zuckerhaltige Getränke - auch Speisen - zTenor-Saxophonist mit verschwitztem Hemd, aber geputzten Zähnen.u zuckerhaltigem Atem führen. Die klebrige Atemluft strömt durch das Saxophon und schlägt sich an den Lederpolstern, die in den Klappen sitzen und die Tonlöcher verschließen sollen, nieder. Das kann dazu führen, das die Polster an den Kaminen der Tonlöcher haften bleiben, so dass sich letztere nicht mehr öffnen lassen. Saxophonisten putzen sich daher in der Regel vor dem Spiel gründlich die Zähne. Und da man sich an den Zustand belag- und essensrestefreier Zähne schnell gewöhnt, greifen Saxophonisten gern schon einmal etwas öfter zur Zahnbürste. So bleiben sie stets kussfrisch ...

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Warum w
irken Saxophonisten immer so fotogen?

Dass Sax
ophonisten, völlig unabhängig vom Aussehen, fotogen wirken, ist eine unbestreitbare Tatsache, die sich jederzeit nachprüfen lässt: Man hänge sich ein Saxophon um den Hals, lehne sich lässig in einem von Touristen besuchten Park einer beliebigen Großstadt in der Dämmerung an einen Baum oder eine Laterne ... und es dauert nicht lange, bis die ersten Schnappschussjäger herbeieilen. Warum das so ist, bleibt spekulativ. Das blinkende Gold des harten Metalls, die filigrane Technik der Mechaniken, die geschwungene Form des Instrumentes scheinen im wörtlichen Sinne einen angeborenen Auslöse(r)mechanismus zu erregen. Vielleicht ist es auch eine Art Elstereffekt, der einen gewissen Lockreiz bewirkt. Davon abgesehen gibt es natürlich auch Saxophonisten, die tatsächlich gut aussehen. Und Saxophonistinnen sowieso.

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Wie kann man als Saxophon-Tüftler reich und berühmt werden?

Demjenigen, dem es gelingt, die Bauweise eines Saxophon oder Teile davon so umzubauen, dass sich das Instrument flüsterleise spielen lässt, winken Ruhm und Ehre. Bei Patentsicherung und geschickter Vermarktung ist auch Reichtum möglich. Voraussetzung ist allerdings, dass die typischen Besonderheiten des Anblasens und der Grifftechnik erhalten bleiben. Natürlich kann man als Saxophonist leiser spielen, indem man den Blasdruck verringert. Das funktioniert aber nur bis zu einer gewissen Mindestlautstärke. Und es macht nicht wirklich Spaß, wenn man kerniges Rocksolo nur ins Instrument hineinhauchen darf. Während nahezu alle anderen Musikinstrumente als „Silent Instruments“ (leise Instrumente) angeboten werden, tun sich die Saxophonbauer schwer, ein für das Üben in Mietwohnungen besser geeignetes, leiseres Instrument anzubieten. Während man zum Beispiel auf einem E-Piano mit gewichteter und dynamischer Tastatur über Kopfhörer praktisch wie auf einem echten Klavier üben kann, gibt es nichts Vergleichbares für das Saxophon. Zwar werden sogenannte elektronische „EWI-Blaswandler“ (z. B. von Yamaha oder Kawai) angeboten - der Verzicht auf den Original-Korpus und das Original-Mundstück des Saxophon verlangt jedoch eine sehr hohe Kompromissbereitschaft des Spielers. Mit echtem Saxophonspielgefühl haben solche Blaswandler nur noch ganz entfernt etwas tun. Die Firma Softwind Instruments ging mit seinem „Synthophone" - ebenfalls ein Midi-Saxophon - einen Schritt weiter: Immerhin hält der Spieler damit ein leise spielbares, handelsübliches Saxophon in Händen. Es ist allerdings gefüllt mit Elektronik und physisch vom Mundstück entkoppelt. Letzteres dient nur noch dazu, die Anblasdynamik des Spielers elektronisch zu messen. Als Midi-Instrument mag das Synthophone bestens geeignet sein. Als Silent Instrument kommt es durch den höheren Preis kaum in Frage. Und sich als Saxophonist mit der Midi-Thematik auseinandersetzen und irgenwelche Kanäle programmieren zu müssen, ist zudem nicht
jedermanns Sache. Eine nahe liegendere Idee ist es, einfach einen Schalldämpfer in den Becher des Saxophones zu stecken. Bei der Trompete führt dies zum Erfolg, beim Saxophon kaum. Die im Handel angebotenen Schalldämpfer für den Saxophonbecher besitzen nur einen sehr begrenzten Wirkungsgrad, da der Schall hier auch durch die zahlreichen zusätzlichen Tonlöcher austritt. Belustigend und alles andere als komfortabel wirkt es, das Saxophon schlicht und ergreifend in einen Textil- oder Hartschalenkoffer einzupacken und sich das Ganze vor den Bauch zu schnallen. Oben schaut das Mundstück heraus und die Hände werden wie im Kernforschungslabor durch zwei Öffnungen gesteckt, um die Tasten zu bedienen. Schalldichte Übungskabinen als Raum-im-Raum-Lösung scheiden bei den meisten Spielern aus Kosten- und Platzgründen aus. Kurzum, gesucht wird noch eine praktikable und vor allem einfache Lösung, die es erlaubt, wie gewohnt zu üben und zu spielen - nur eben leiser. Vielleicht gelingt es, Links ein Original-Rohrblatt, rechts Kunststoffblätterein Blatt zu erfinden, das extrem leise schwingt. Oder ein Mundstück mit eingebauter Schalldämpfung, eine neue Innenwandbeschichtung im Saxophon, ein  anderes, schwingungsfreies Material als Metall, Schalldämpfer für jedes einzelne Tonloch, Antischallsysteme ... ? An dieser Aufgabe haben sich bisher alle Tüftler, Physiker und Ingenieure die Zähne ausgebissen. Wer diese harte Nuss knackt, dürfte von der Saxophonistengemeinde seelig gesprochen werden.

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Warum sollte man sein erstes Saxophon nie allein kaufen?

Saxophonkauf ist Vertrauenssache. Wenn auch nur eine einzige Klappe nicht dicht schließt, kann man sich totüben, ohne Fortschritte zu erzielen. Wenn Federn oder bewegliche Mechaniken niederer Qualität verbaut wurden, kann es schnell zu Ausfällen kommen. Man sollte also ein Saxophon nicht ungesehen und ungeprüft kaufen - und wenn, dann nur mit Rückgabegarantie. Zudem sind die Mundstücke, die meist beim Neukauf eines Saxophons beiliegen, in den seltensten Fällen optimal. Das wäre auch beim besten Willen des Verkäufers nicht zu erreichen, weil jeder Spieler andere Lippen hat und andere Soundvorstellungen. Nimmt man einen erfahrenen Saxophonisten mit zum Verkäufer, kann dieser das Instrument mit seinem eigenen Mundstück anblasen. So lässt sich zumindest ausschließen, dass es nicht am Mundstück liegt, wenn sich dem vermeintlichen Glückskauf keine schönen Töne entlocken lassen. Mit der Zeit entwickelt zudem jeder Saxophonist einen Blick dafür, wo die Schwächen bei einem Saxophon liegen. Es gibt selbstverständlich auch Händler, denen man blind vertrauen kann - zum Beispiel denen, die auch sogenannte "Generalüberholungen" fachmännisch durchführen. Manche bieten auch Inklusivpreise für jährliche Folge-Inspektionen des Instruments an. Mit der Schnäppchenjägerei in Sachen Saxophonkauf sollte man es beim ersten Instrument übrigens nicht übertreiben. Ich habe mir mein erstes Saxophon, ein Schülerinstrument von Jupiter, 2001 bei einem renommierten Händler und Musikinstrumentenbauer in Köln gekauft. Exakt das gleiche Modell hätte ich im Internet sofort für 150 Mark preiswerter bestellen können. Aber von dem Händler wusste ich, dass er jedes Sax im Zwischenhandel sorgfältig prüft und es vor Weiterverkauf optimal  einstellt. Das Saxophon habe ich fünf Jahre lang jeden Tag eine Stunde gespielt und es ist immer noch absolut dicht, d. h., alle Polster schließen perfekt.

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(Im Hintergrund hören Sie das Stück "Die Libelle" des Saxophon-Autodidakten Bernd Zimmermann.)